Drohende Wohnungsnot: Offener Brief der Städte Elsterwerda und Lauchhammer an den Ministerpräsidenten

Lauchhammer, den 26.​09.​2025

In Lauchhammer droht Hunderten Mietern der Vivet Immobilien AG die Unterbrechung der Wärmversorgung. Der Wärmeversorger Danpower hat die Mieter darüber informiert, dass die Wärmeversorgung ab dem 29. September 2025 eingestellt wird. 

 

Insgesamt belaufen sich die offenen Forderungen an den Vermieter laut Danpower auf rund 70 000 €.

 

Die Stadt Lauchhammer steht im engen Austausch mit dem Wärmeversorger und den Mietern.

 

Inzwischen wurde durch Danpower die Einstellung der Wärmeversorgung um einen Monat verschoben.

 

Die Stadt Elsterwerda hat mit diesem Vermieter ähnliche Probleme. Deshalb haben sich die Bürgermeisterin von Elsterwerda und der Bürgermeister der Stadt Lauchhammer in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, gewandt.

 

Offener Brief 

Drohende Wohnungsnot 

 

Sehr geehrter Ministerpräsident Herr Dr. Woidke, 

 

aus dem Süden Brandenburg, einer Region, welche mit Stolz und Wertschätzung auf unsere Heimat durch uns Bürgermeister gern und engagiert vertreten wird, erreicht Sie heute ein gemeinsamer Hilferuf. 

 

Anlass ist, dass in den Städten Lauchhammer und Elsterwerda ein unermessliches Wohnungsproblem durch uns Bürgermeister nicht mehr abwendbar erscheint. Es betrifft Tausende Mieter der VIVET Immobilien AG bzw. der Sächsische Wohnen GmbH, vertreten durch den Vorstand Herrn Mattheo Colusso, und den Aufsichtsrat, vertreten durch Herr Dr. Gero Kollmer mit postalischer Anschrift in der Vogtlandstraße 8 in 07549 Gera. 

 

Dass Vermieter ihre Wohnungen nicht instandsetzen, hat gewiss unterschiedlichste Gründe, auf deren Basis wir als kommunale Vertreter geringsten Einfluss nehmen können. Ein vermülltes Wohnumfeld erzeugt Ärger bei Mietern, Städten und Gemeinden, ist aber oft noch nicht existenzgefährdend, wenn auch sehr ärgerlich. Dass wir zahlreichen Mietern persönlich zur Seite stehen, um sie in ihrer Not zu unterstützen, ggf. Gespräche, Kompromisse vermitteln, das tun wir ganz selbstverständlich.

 

Wenn Mieter — und wir sprechen hier von ganzen Wohnarealen mit zahlreichen Wohnblöcken und Mehrfamilienhäusern — jedoch Gefahr laufen, dass ihre Wohnungen trotz geleisteter Zahlungen unbeheizt bleiben, unbewohnbar werden, dann wird es zu einem stadtprägenden flächendeckenden Problem. 

 

Während der Stadtverordnetenversammlung Lauchhammer am 24. September 2025 brachten zahlreiche betroffene Bürger ihre Sorgen, Nöte und Ängste, aber auch ihren Ärger über die unsichere Wärmeversorgung zum Ausdruck. Zwar konnte durch das verantwortungsvolle Handeln des Wärmeversorgers die Frist für die Abschaltung der Wärmeversorgung der Betroffenen in Lauchhammer bis zum 31. Oktober 2025 verlängert werden. Die dringende Notwendigkeit einer tragfähigen und dauerhaften Lösung für die betroffenen Haushalte bleibt aber weiterhin bestehen. Aktuell betroffen in Lauchhammer sind über 700 Bürgerinnen und Bürger. 

 

Über Jahre werden immer mehr Wohnungen durch ihren Zustand unvermietbar, bleiben leer und verkommen. Grund sind unbezahlte Handwerkerrechnungen der Eigentümer, die unsere regionalen Unternehmen in Existenznot bringen. Ein Beispiel ist den Anlagen hinzugefügt. 

 

Ganze Wohnblöcke werden als Mietraum dringend benötigt, können aber nicht mehr vermietet werden, da die technischen Abnahmen nicht mehr bezahlt werden und die Handwerker hier vor Ort ihre Leistungen dem Eigentümer nicht mehr zur Verfügung stellen können. 

 

Unser Wohnumfeld leidet! 

 

Die Mieter, darunter auch zahlreiche Kunden des Jobcenters, zahlen ihre Miete. Allerdings erreichen die Zahlungen u. a. nicht die Wärmelieferanten. Allein in Elsterwerda musste durch Nichtzahlung des Eigentümers allein in diesem Jahr schon zweimal mit Einstellung der Wärmeversorgung in sämtlichen Wohnblöcken gedroht werden. Dort wohnen Familien, viele ältere Menschen. 

 

Was sollen wir unseren Bürgern raten? Was sollen wir den Bürgern empfehlen zu tun? Gibt es deutschlandweit weitere Kommunen, die wie wir betroffen sind?

 

Gesetzlich ist uns eine rechtliche Beratung untersagt. Persönlich erreichen uns tagtäglich Hilferufe der Mieter in beiden Städten. Es ist absehbar, dass es auch weiterhin zu extremen Zahlungsschwierigkeiten des Eigentümers, der VIVET lmmobilien AG bzw. derSächsische Wohnen GmbH kommen wird.

 

Die Folgen — Hunderte Wohneinheiten ohne Heizung, ohne Wasser, in erbärmlichen Wohnzuständen, marode Technikanlagen. Die Wohnungen werden zunehmend unbewohnbar, obgleich so dringend benötigt.

 

Wo sollen diese Menschen hin? Wo sollen wir gerade jetzt, in den nahenden kalten Monaten, all diese Bürger im Fall erneuter Widrigkeiten unterbringen? Wer hilft ihnen in dieser Not? Welche Möglichkeiten haben Landes— und Bunderegierung, gegen diese unseriöse Vermietergruppe vorzugehen? 

 

Es droht eine Wohnkatastrophe, wenn wir hierbei keinen Weg finden, um Eigentümer zum Handeln zu zwingen oder seriöse Insolvenzen einzuleiten, um wieder Handlungsfähigkeit für ein lebenswertes Wohnen zu ermöglichen. 

 

Wir haben als Kommunen in Lauchhammer und Elsterwerda, als Bürgermeister beider Städte, viel private und persönliche Hilfen ermöglicht, haben über Jahre zu allen einzelnen Problemen die Eigentümer angeschrieben, mitunter im Umgangston genötigt, freundlich um Lösungen gebeten, Gesprächsbedarfe angemeldet — bis heute sind die Zustände der Wohnungen unverändert und zunehmend schlechter. Gesprächsersuchen blieben unbeantwortet. 

 

Unsere berechtigte und nachdrückliche Sorge ist, was können wir gemeinsam unternehmen, dass Tausende Mieter nicht eines Tages ohne nutzbare Wohnungen hilfesuchend dastehen? 

 

Können wir gemeinsame, juristische und soziale Lösungen finden? 

 

Wir, die Bürgermeister der Städte Lauchhammer und Elsterwerda, bitten herzlichst und eindringlich um Ihre Unterstützung, Beratung und die Einbeziehung der Fachministerien in diesem Kontext. 

 

Wir stehen jederzeit für Rückfragen und ein aktives Mittun zur Verfügung. 

 

In den Anlagen spiegelt sich ein kleiner Ausschnitt der über Jahre unternommenen Initiativen unsererseits, Einzelschicksale und unternehmerische Existenzsorgen unserer Handwerker. 

 

Wir bedanken uns für das Anhören im Kontext dieses kommunal nicht lösbaren Zustandes und hoffen auf Wege zu Gunsten der Menschen hier vor Ort in ihren Heimatstädten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Anja Heinrich 

Stadt Elsterwerda

 

Mirko Buhr 

Stadt Lauchhammer

 

 

Bild zur Meldung: Offener Brief der Städte Elsterwerda und Lauchhammer